Der Dreiklang von Digitalisierung, Plattform und KI

Die Welt wird neu entdeckt

von Wolfgang Vogl
  • Wolfgang Vogl – Director Business Development Folgen Sie Wolfgang Vogl auf Twitter  Folgen Sie Wolfgang Vogl auf LinkedIn  Folgen Sie Wolfgang Vogl auf Xing  Kontaktieren Sie Wolfgang Vogl per E-Mail
  • Als Director Business Development bei Speed4Trade beschäftige ich mich mit Strategien, Trends und neuen Konzepten im eCommerce. In rund 30 Jahren Erfahrung mit Softwareunternehmen spezialisierte ich mich auf digitale Geschäftsmodelle und Commerce-Plattformen. Ich schreibe regelmäßig Fachbeiträge für den Speed4Trade-Blog zu aktuellen eCommerce- und IT-Themen sowie als IDG-Autor u. a. für die Computerwoche und ChannelPartner. Darüber hinaus engagiere ich mich im Branchenverband Bitkom.

Technologie fällt nicht vom Himmel. Erst das Problem, dann die Lösung. In diesem Sinne zeichnet der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi¹ in seinem Buch „Muster: Theorie der digitalen Gesellschaft” nach, dass es bereits seit dem 19. Jahrhundert den verstärkten Bedarf an Digitalisierung gibt. Moderne, funktional ausdifferenzierte Gesellschaften und globale Vernetzung führen zu einer ständig steigenden Komplexität. Digitalisierung ist eine mögliche Antwort zur Bewältigung der dadurch entstehenden Herausforderungen.

Die Digitalisierung von Produkten und Angeboten wird stetig optimiert
Zählen, wiegen, messen, d.h. die „Codierung” von Produkten in Zahlen, Texten und Bildern, gibt es schon lange. Das ist im Kern die erste Welle der Digitalisierung. Mit ausgefeilten Technologien wird versucht, Produkte oder allgemeiner gesagt Angebote immer besser digital abzubilden. Diese Abbildungen, zum Beispiel in Online-Shops, sind für uns Alltag.

Anbieter optimieren stetig die Qualität der Bilder, Beschreibungen und Produktmerkmale. Bilder werden immer zahlreicher und hochauflösender, Beschreibungen immer detaillierter und Merkmale aus Attributen und Filteroptionen immer präziser. Weitere Technologien wie 3D-Abbildungen, Videos, Konfiguratoren sowie Augmented und Virtual Reality werden erprobt. Das Ziel ist klar: die exakte Abbildung des physikalischen Angebots in seinem digitalen Zwilling – die Vision vom Digital Twin.

Online-Plattformen passen perfekt zur Digitalisierung
Im Lichte dieser Erkenntnis werden die Konturen der Anstrengungen der Betreiber von Plattformen wie z. B. Amazon, Zalando, Airbnb oder Booking.com deutlich. Je besser die digitale Abbildung ihrer Angebote gelingt, umso einfacher ist der Handel auf ihren Online-Plattformen. Der Kunde verspürt immer weniger das Bedürfnis, das physikalische Produkt real zu prüfen. Die perfekte digitale Abbildung gibt ihm bereits so viel Sicherheit, um direkt zu kaufen. Was mit Produkten begann, setzt sich mit Services fort und dringt auch in die komplexeren Angebotsstrukturen des Business-to-Business-Bereichs vor.

Der Rohstoff Digitale Daten ist das neue Öl der Plattformökonomie. Ja, Daten sind noch viel besser, denn sie verbrauchen sich bei Nutzung nicht. Im Gegenteil: Sie werden immer wertvoller, je öfter sie zum Einsatz kommen. Der ideale „Treibstoff” für Online-Plattformen: Einmal erzeugt, unendlich nutzbar, vielfach monetarisierbar.

Mustererkennung im Verhalten mit KI ist der nächste Treiber
Die Codierung der Welt besteht im Kern tatsächlich nur aus den drei Formen Zahlen, Texte (Sprache) und Bilder. Deshalb verwundert es auch nicht, dass erste Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) sich zunächst genau damit befassen: Bilderkennung, Spracherkennung und das Erkennen von Mustern in Zahlenreihen. Die Kombination von Digitalisierung und Online-Plattformen liefert jetzt aber einen noch weitaus interessanteren Rohstoff für die KI: Transaktionsdaten. Die zweite Welle der Digitalisierung ist die Erkennung und Vorhersage von Verhalten aufgrund der Transaktionsdaten. Das ist absolut neu in der Menschheitsgeschichte.

Mit Künstlicher Intelligenz, Deep Learning und neuronalen Netzen werden Muster im Verhalten gesucht, die durch Transaktionsdaten erzeugt werden. Und das geht weit über „Kunden, die X gekauft haben, kaufen auch Y” hinaus. Uber zum Beispiel verkauft heute schon Verkehrsdaten für Stauvorhersagen, die durch das Aufzeichnen der Fahrten seiner Fahrer prognostizierbar sind. In gleicher Weise werden in naher Zukunft viele neue Geschäftsmodelle entstehen.

Prof. Dr. Nassehi entwickelte sogar die These „…, dass bestimmte gesellschaftliche Regelmäßigkeiten, Strukturen und Muster das Material bilden, aus dem die Digitalisierung erst ihr ökonomisches, politisches und wissenschaftliches Kontroll- und Steuerungspotential schöpft. Infolge der Digitalisierung wird die Gesellschaft heute also regelrecht neu entdeckt.”²

Wo stehen Sie mit Ihren digitalen Projekten? Noch bei der Digitalisierung, schon bei den Plattformen oder bereits bei KI?

Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung hierzu in die Kommentare.

 

¹ Über Prof. Dr. Armin Nahessi: https://de.wikipedia.org/wiki/Armin_Nassehi
² Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft, C.H.Beck, München 2019


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