Headless Commerce: Kopflos durch die Nacht?

Wolfgang Vogl
3. März 2020

Trend Headless-Lösungen bei Commerce-Plattform-Technologien

Headless-Software und Headless-Integration sind bei der Auswahl einer Commerce-Plattform aktuell in aller Munde. Damit sich die Einkaufstour nicht wie beim Filmklassiker „Kopflos durch die Nacht” von 1988 zum Horror-Trip entwickelt, hier einige Hinweise.

Als headless, also zu Deutsch kopflos, bezeichnete man ursprünglich Serversysteme, die über keinen Bildschirm oder sonstige grafische Ausgabegeräte verfügen. Sie werden als Backend-System von Frontend-Applikationen angesteuert.

Headless und die Hydra

Übertragen auf aktuelle Online-Shopsysteme beziehungsweise Commerce-Plattformen im Prinzip nichts Neues. Die Entkopplung der Frontend-Logik (also das, was der Kunde beim Einkauf im Online-Shop sieht) von den Backend-Prozessen und den dafür notwendigen Transaktionen im Hintergrund ist seit Jahren Standard gängiger Shopsysteme. Derzeit explodieren allerdings die Frontend-Technologien für die Kunden-Kontaktpunkte, die sogenannten Touchpoints. Mobile, Spracheingabe, Point-of-Sale-Terminals, Internet-of-Things, Connected Car, WhatsApp oder Chatbots als Schnittstelle zum Kunden erfordern mehr Flexibilität der Commerce-Plattformen im Frontend.

Front- und Backend verbindet keine Eins-zu-Eins-Beziehung mehr. Das Backend wird headless und das Frontend wird zur vielköpfigen Hydra. Der Markt fordert diese Vielfalt an Touchpoints, daran führt kein Weg vorbei – aber die Zukunft ist ungewiss. Wie beim Ungeheuer der griechischen Mythologie wachsen eher immer mehr Köpfe nach, sobald einer abgeschlagen wurde. Die Komplexität der notwendigen Shop-Systeme steigt stark an.

Technologisch möglich machen diese Vielfalt leistungsstarke Schnittstellen, die die vielen „Köpfe” sicher und zuverlässig mit dem „Körper” verbinden. Diese prinzipielle technische Unabhängigkeit verleitet nun zur Idee, auch die Entwicklungsteams für Front- und Backend stark unabhängig voneinander zu organisieren. Dies geht manchmal so weit, dass Online-Händler den Wunsch äußern, die Frontend-Funktionen mit ihrem eigenen Web-Designer oder ihrer Werbeagentur selbst zu entwickeln.

Viele Touchpoints, wenig Kenntnisse?

Doch je funktionsreicher die Frontend-Applikation ist, umso tiefer müssen auch die Kenntnisse zu den Backend-Modulen sein. Um etwa einen Artikel mit Bild, Beschreibung, Preisen und Verfügbarkeiten im Frontend anzuzeigen, bedarf es umfangreichen Wissens, zum Beispiel: Welche Microservices müssen über welche API mit welchen Parametern angesprochen werden, um die für die Darstellung notwendigen Daten geliefert zu bekommen?

Fazit: Zum Einsatz von Headless-Commerce-Plattformen ein klares Ja. Denn durch die steigende Vielfalt an Kunden-Touchpoints führt hieran kein Weg vorbei. Aber Trennung von Frontend- und Backend-Teams – nein. Denn auch die Frontend-Teams brauchen umfangreiches Know-how darüber, welche Funktionen das Backend zur Verfügung stellen kann.

Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung hierzu in die Kommentare.

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