Das Rennen um den Werkstatt-Kunden der Zukunft hat begonnen

Die Plattform-Ökonomie erfasst die Kfz-Werkstätten

von Wolfgang Vogl
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  • Als Director Business Development bei Speed4Trade beschäftige ich mich mit Strategien, Trends und neuen Konzepten im eCommerce. In rund 30 Jahren Erfahrung mit Softwareunternehmen spezialisierte ich mich auf digitale Geschäftsmodelle und Commerce-Plattformen. Ich schreibe regelmäßig Fachbeiträge für den Speed4Trade-Blog zu aktuellen eCommerce- und IT-Themen sowie im Rahmen des IDG Experten Netzwerkes u. a. für die Computerwoche und ChannelPartner. Darüber hinaus engagiere ich mich im Branchenverband Bitkom.

Ready, steady, go! Das Rennen ist eröffnet. Wer wird Sieger im Kampf um den Werkstatt-Kunden der Zukunft? Eine McKinsey-Studie prognostiziert, dass bis 2030 rund 100 Milliarden Euro Gewinn im automobilen Aftermarket neu verteilt werden. Neben der bereits laufenden Konsolidierungswelle unter den Kfz-Teile-Großhändlern sind es vor allem neue Spieler, die an den Start gehen.

In anderen Wirtschaftszweigen können die Verwerfungen bereits seit längerem beobachtet werden:

  • Das größte Taxiunternehmen hat keine eigenen Taxis: Ueber
  • Der größte Übernachtungsanbieter hat keine eigenen Hotels: Airbnb
  • Das größte Medienunternehmen produziert keine eigenen Inhalte: Facebook

Und im automobilen Aftermarket hat der jüngste Anbieter von Werkstatt-Leistungen keine eigenen Werkstätten: Die Rede ist von Caroobi. Derartige neue, branchenfremde Wettbewerber schicken sich an, den Werkstatt-Kunden für sich zu gewinnen. Ausgestattet mit Millionen an Investmentkapital („Autowerkstatt-Portal Caroobi erhält 20 Millionen Dollar“). Sie drängen sich als Vermittler zwischen den Kunden und die Werkstatt. Die Werkstatt-Portale kontrollieren in der Folge den direkten Zugang zum Kunden (zentrales Ziel in der Plattform-Ökonomie).

Ein Stück vom Kuchen
Neben den Newcomern, die keine Rücksicht auf bestehende und historisch gewachsene Handelsbeziehungen nehmen, stehen auch etablierte Anwärter am Start. Versicherungen, Automobilclubs, Leasingfirmen, Flottenanbieter und nicht zuletzt die Fahrzeughersteller selbst: Über „Connected Car” wollen sie sich ebenfalls ein Stück vom Automotive Aftermarket der Zukunft sichern. Sie lotsen den Werkstatt-Kunden nach ihren Regeln in die Werkstatt ihrer Wahl. Das haben viele Kfz-Werkstätten und ihre Werkstatt-Systemanbieter noch nicht wirklich auf dem Radar.

Die langjährige, vertrauensvolle Beziehung von der Werkstatt zum Endkunden greift nicht mehr. Andere entscheiden in Zukunft, in welche Werkstatt das Auto zur Reparatur kommt. Oft ist es eben nicht mehr der Fahrer selbst, sondern eine von den Intermediären betriebene Plattform (siehe dazu auch die Roland-Berger-Studie: „Kfz-Aftermarket-Newcomer setzen neue Spielregeln“).

Seitenzugriffe der ersten 6 Monate 2019 der Plattformen Fairgarage, Caroobi, Autobutler etc. Quelle: Erhebung auf Basis von SimilarWeb

In Gefahr ist auch die bewährte Handelsstruktur zwischen Kfz-Teile-Großhändlern und den Werkstätten. Das Teilegeschäft ist als zusätzlicher Umsatzbringer ebenfalls im Visier der Portale („Caroobi: Teileportal ergänzt Reparaturgeschäft“). Die unabhängigen Plattformen beziehen ihre Ersatzteile in der Regel direkt vom Hersteller und liefern diese der Werkstatt zur Reparatur zu. So geht den Großhändlern und Werkstätten ein Großteil der Margen aus dem Ersatzteilgeschäft verloren.

Noch ist es nicht zu spät. Aber es wird Zeit, als etablierter Player selbst aktiv zu werden und gemeinsam im Konsortium eine eigene Plattform aufzubauen. Werkstatt-Systemanbieter CARAT startete im Januar 2019 mit der Plattform „Drivemotive“. Ich bin gespannt auf die weiteren Entwicklungen.

Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung hierzu in die Kommentare.


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